Regenerative Rancher Greg Judy zu Gast

Wir hatten ein intensives Mobgrazing-Wochenende mit dem Feldtag der Klimapraxis (mit der wir auch bald ein Projekt machen) in Temmen. Manuel Winter und Greg Judy haben uns allerhand Zusammenhänge deutlich gemacht und ich habe mehr gelernt als in drei Jahren Studium. Greg war dann auch noch bei uns zu Gast und es gibt ein Interview auf Englisch. 🙂 Auf der Weide waren wir zu sehr vertieft, aber so siehst du die Verarbeitungsstätte und unsere Philosophie… einfach hier klicken.

Mehr Videos von unserem Hof findest du hier.

Lieber zur Zucht verkaufen als Schlachten

Bei vielen direkt vermarktenden Betrieben ist der Umsatz um 30% zurück gegangen seit Corona zu Ende (und der Urlaub wieder greifbar) und die Unsicherheit gestiegen ist wegen der Ukraine. Die Menschen scheinen verunsichert, doch gerade wenn die Krise noch krasser wird, wäre es doch wichtig zu wissen, wo gutes, nahrhaftes Essen resilient herkommt, oder?

Über die Lebensmittel, die wir täglich brauchen, können wir (neben dem Auto und der Heizung) am einfachsten bestimmen, ob es zu noch mehr Krieg um Ressourcen kommt oder nicht.

Die normale Wirtschaft setzt auf Billig-Lohn-Länder. Wie ich hörte, werden nun die Preise für die Frachtcontainer kräftig angehoben und zum Beispiel die Textilbranche schaut, was sie an Produktion wieder zurück nach Europa holen kann.

Unser Durchschnittsessen reist 3000km weit – da lässt uns nur hoffen, dass der Diesel noch teurer wird, damit dieser Wahnsinn sich weiter einschränkt. Wenn wir nicht auf Gras und regionale nachwachsende Rohstoffe setzen, bleiben wir weiter abhängig von Öl und Gas.

Die Flächenknappheit ist ein weiterer Faktor. Sollen Bäume abgeholzt werden, damit wir mehr Photovoltaik-Flächen installieren können, wie hier in unserer Nachbarschaft angedacht: https://pro-wald-hohensaaten.de/ Die politischen Akteure scheinen nicht auf dezentrale Energieversorgung auf allen Dächern und Parkplätzen zu setzen… wen müssen wir wählen, damit sich da etwas bewegt?

Wir lassen auf jeden Fall die Rinder weiterhin da grasen, wo für Menschen kein Essen angebaut werden kann (im Nationalpark) und machen das Futter für die 5 Winter-Monate selbst (noch in Diesel-Abhängigkeit, weil elektrisch nicht genug Power hat und wir noch nicht so weit sind, dass wieder mehr Menschen ihre Muskelkraft sinnvoller einsetzen als im Fitness-Studio..).

Nun denken vielleicht viele von euch, wir sind so berühmt geworden und in aller Munde, dass wir keine Absatzprobleme haben. Doch leider ist es anders. Wenn wir unsere Produkte nicht sicher absetzen können, bleibt uns nur der Schritt unsere Tierzahl zu verringern.

Weniger Rinder bedeutet, wir verkaufen welche an den Viehhändler. Das wäre gegen unsere Grundsätze, müssen wir aber gerade in Erwägung ziehen. Der Fleisch-Absatz ist nahezu eingebrochen. Das verunsichert uns und das berichten auch andere direkt vermarktende Betriebe.

Eine schönere Option ist, unsere robusten Zweinutzungstiere (Kühe, Färsen, Jungbullen, Deckbullen oder Kälber) an andere Höfe zu verkaufen. Ein paar Mal hat das schon geklappt und wir hätten noch welche. Also schau gern im Menüpunkt ZUCHTZIELE & TIERVERKAUF.

Es wäre so schön, wenn wieder mehr Menschen den Wert einer eigenen Tierhaltung entdecken und 2 Kühe im Garten hätten statt Mäh-Roboter!

Einen überregionalen Zuchtverband für Allgäuer Braunvieh und Angler Rotvieh alter Zuchtrichtung bräuchten wir noch. Wenn da jemand Ambitionen hat oder etwas hört, dann soll er*sie uns gerne Bescheid geben!

Save Oder!

Einfach unglaublich für mich, dass das, was ich in Geografie über meandernde Flüsse gelernt habe, durch Konzerninteressen weggebaggert wird!
Eine Woche vor der Bundestagswahl erinnern wir an die aktuelle Gefahr, die unserer einzigartigen Oder droht: Eine der letzten naturnahen großen Flusslandschaften Mitteleuropas soll zerstört werden. Noch kann verhindert werden, dass die gleichen Fehler wie z.B. beim Rhein-Main-Donau-Kanal wiederholt werden.
Fragt eure Kandidat:innen für die Bundestagswahl, wie sie sich zum Thema verhalten, helft mit und stoppt jetzt den Ausbau der Oder!
Hier gibt es mehr Informationen und den Protestbrief, den ihr ganz einfach unterschreiben könnt https://saveoder.org/kontakt/
Großer Dank an Anja und Thomas www.uhlmann-freyhoff.de

Käserei & Vermarktung abgeben – warum das denn?

Vielleicht habt ihr die Anzeige gesehen, dass wir die Käserei und die Vermarktung in selbstständige Hände abgeben wollen?
Hier haben wir unsere Pläne noch einmal genauer beschrieben:

Wir möchten gerne die Käserei und Vermarktung in eigenverantwortliche Hände abgeben, warum?

Unseren Betrieb mit all unseren Idealen und Grundsätzen bauen wir nun 7 Jahre auf. Ursprünglich war unsere Vorstellung im Rahmen einer Betriebe-Gemeinschaft, in überschaubaren Einheiten zu produzieren und solidarisch zu vermarkten.

Wir legten einfach los … es galt zu beweisen, dass es auch so geht. Und es geht! Wir merken jedoch auch, dass es einfach nicht unser Ding ist, Chef für viele Leute zu sein und dazu neben der ganzen Landwirtschaft die Verarbeitung und die Vermarktung am Laufen zu halten. Auch wenn alle ein Auskommen haben und wir selbst davon leben, macht es uns einfach nicht glücklich.

Wir sind an einer Schwelle angelangt, die so viele Unternehmer kennen mit folgenden Fragen:

  • Größer werden mit der Hauptaufgabe Personalführung?
  • Geschäftsführer einstellen?
  • Deutlich kleiner werden? (Vielfalt in Produkten und Vermarktung, sowie Betriebsgröße schmälern)
  • Oder Bereiche in eine eigenständige Selbstständigkeit abgeben?

Wir haben den Betrieb mit voller Leidenschaft aufgebaut, die eine Basis bietet und dazu Potenzial hat sich weiterzuentwickeln. Wir selbst kommen jedoch an die Grenzen.

Anja kann sehr gut Schulklassen einen Bezug zum Ursprung der Lebensmittel und Kontakt zum Tier vermitteln, in Seminaren und auf Kongressen sprechen und für eine bäuerlich-handwerkliche Landwirtschaft und wesensgemäße Tierhaltung werben. Das lädt sie auf und die Teilnehmer:innen sind begeistert. Das tägliche Melken ist ein guter Start in den Tag.

Janusz macht gerne den Futterbau, die Maschinenarbeiten und die Tierversorgung wie Zaunbau und Klauenpflege. Bald kann er sich hoffentlich auch in der regenerativen Landwirtschaft, bei Heckenpflanzungen und Agroforst austoben.

Bei nun 50 Kühen mit 120 Jungrindern auf 250 Hektar Land haben wir eine gute landwirtschaftliche Basis geschaffen. In Zukunft möchten wir mehr auf eigenem Land arbeiten und bauen, statt auf Pachtbasis.

In der Chefrolle überfordern Anja die Sozialanforderungen, das ist auch als Asperger bzw. hochfunktionale Autistin nicht leistbar. Janusz hingegen überfordert das Organisatorische in der Chefrolle und die viele Büroarbeit, wenn er auch das Soziale mag.

Daher möchten wir gerne Bereiche in selbstständige Hände abgegeben, um uns in Zukunft selbst mehr fokussieren zu können und der gesamten Idee mit idealistischen Macher:innen eine gute Weiterentwicklung zu bieten.

Bereiche die wir abgeben möchten:

  • Käserei + Vermarktung
  • Ackerbau
  • die Legehennenhaltung könnte wiederbelebt werden (Mobilstall mit 360 Plätzen vorhanden)
  • je nach nachgefragter Milchmenge auch Jungviehaufzucht und Fleischvermarktung

Ganz im Sinne eines Aufbaus einer Betrieb(e)-Gemeinschaft „Stolze Kuh – Höfe“

Um gemeinsam:

  • einen sinnvollen Stoffkreislauf abbilden zu können
  • Synergieeffekte herzustellen
  • zusammen mit den Abnehmer:innen möglichst resilient zu sein (unabhängig, autonom)
  • einen Beitrag für eine lebenswerte Zukunft zu leisten

Wir sind gespannt auf das Echo!
Macher:innen meldet euch gern. 🙂

Komm gern mit zum Melken

Das ZDF war mit einer jungen Familie zu Gast beim Melken. Im Format Wachgeküsst werden Tagesausflüge und Urlaubsmöglichkeiten in Deutschland beleuchtet. Das finden wir natürlich besser als durch die Welt fliegen!

Ab Minute 34 ist unsere schöne Landschaft im Nationalpark Unteres Odertal zu sehen, unsere Tiere, auch die Kälber, die alle hier auf der Weide aufwachsen und dann 3-jährig auch auf der Weide geschossen werden. So wird der Kreislauf komplett und du bist dabei, wenn du unsere Produkte genießt.

Melde dich gern mit einem Terminvorschlag zum Mitmelken an (pünktlich um 7 fahren wir am Stall los) oder komm zum Weidebesuch (einmal im Monat samstags 12.30-14.30Uhr) und erlebe, wie Landwirtschaft auch aussehen kann.

Diesen und weitere spannende Beiträge kannst du in „Videos und Artikel“ ansehen.

Omega & Olive – Tochter & Mutter

Die Ähnlichkeiten und den Charakter in den Verwandtschaftsbeziehungen unserer Kühen zu ergründen, macht mir den Arbeitstag abwechslungsreich und spannend.

Hier habe ich Omega und Olive beim zusammen rumhängen erwischt. Sie sind beide gleich verfressen, haben wohlgeformte Euter, einen freundlichen Charakter und wunderschöne Hörner. Von Olives Silhouette haben wir unser Logo abgemalt.
Olive hatte selbst einen Nasenpiekser als sie zu uns kam. Sie hatte wahrscheinlich ihre Artgenossen besaugt, weil sie ihr Saugbedürfnis nicht am Euter stillen konnte. Als sie das erste Mal kalbte, wollte sie von ihrem Kalb nichts wissen.
Omega hingegen ist, vielleicht auch über die väterliche Seite, sehr hingebungsvoll allen Kälbern gegenüber. Dieses Jahr setzt sie eine Runde aus mit der Milch (und nervt die anderen zum Teil hochschwangeren mit ihrem zyklischen Rindern…).

Früher hat es mich bei Landwirt*innen immer fasziniert, wie sie sich die Verwandtschaftsverhältnisse merken können. Inzwischen kann ich auch schon drei Verwandtschaftsgrade erläutern.

Immer wenn eine Färse das erste Mal kalbt, sie mir genau an, achte auch auf ihr Verhalten, und bin immer wieder erstaunt, wie viel sie von ihrer Mutter und Oma geerbt hat. Haben mehrere Färsen den gleichen Vater, ist es auch wieder total spannend zu sehen, was diese verbindet.

So züchten wir eine sehr harmonische und angepasste Zweinutzungsherde, die uns glücklich macht.

Was siehst du an Ähnlichkeit zwischen Omega und Olive?

Update: Inzwischen ist Omega übrigens die Anführerin auf dem Kampfelder Hof! Da haben Pia und Per wieder neu mit Kühen angefangen. Sie haben einen Weidemelkstand wie wir und vom Hof Tangsehl und uns Rinder gekauft für einen robusten, unkomplizierten Start.
Omega ist die älteste und war anfangs überfordert, mit ihrer Aufgabe. Inzwischen ist sie jedoch eine souveräne Chefin!

Helma, die Superamme!

… macht ihrem Kosenamen wieder alle Ehre. Sie hat Zwillinge bekommen und dann hat sie auch gleich den Kindergarten eröffnet. Alle Kälber fühlen sich bei ihr wohl und sicher.

Zu ihrem Kosenamen kam sie, weil Juri, unser Altdeutscher Hütehund, nie rein durfte in die Weide, auf der sie war. Sie scheuchte ihn immer zielsicher hinter die Litze! Nun muss unsere neue Hütedame Lilly (Australian Koolie) das schnell lernen, sonst wirds gefährlich.

Letztes Jahr hab ich Helma dann, obwohl sie ein Jahr ausgesetzt hatte mit dem Milchgeben (ist im Deckzeitraum nicht tragend geworden und pausierte dann einfach), mit in die Kälbergruppe gesteckt. Beim Nachbarn gabs nämlich einen Wolfsangriff. Bei uns jetzt nicht, aber ob es an Helma lag – ich weiß es nicht. Wir werden es weiter praxisnah erforschen.

Leider lassen die anderen Kühe noch auf sich warten mit der Kalbung, sodass es nächste Woche nun doch noch nicht so richtig losgehen kann mit der Belieferung. Wir brauchen also noch ein wenig Geduld mit der Natur der Dinge…

Warum unser Käse immer anders schmeckt

Jede Charge unserer Käse hat andere Nuancen. Das kommt daher, dass unsere Kühe auf großen Weide im Nationalpark Unteres Odertal ihr Futter selber suchen. Um die Bodenbrüter nicht zu bedrängen, darf nur eine Kuh pro 10.000m2 weiden. 

So fressen sie an einem Tag Schilf, am anderen frisch gewachsenes Grün und all die Kräuter dazwischen. Dadurch dass Wildpflanzen einen höheren Mineraliengehalt haben und auch wertvolle Öle enthalten, hat das natürlich auch Einfluss auf die Milch. Wenn wir diese roh verarbeiten bleiben all die sekundären Pflanzenstoffe erhalten. Wir schicken die Milch nicht durch eine Baktofuge, um alle Bakterien auszuschleudern, weil wir denken, dass die Natur uns das richtige gibt.

Die eindrückliche gelbe Farbe des Stolzen Udos (namensgebende Buchstaben aus dem Unterem ODertal) kommt vom Carotin im Gras. Wir mischen selbstverständlich nichts rein!
Natürlich verändern sich auch die frischen Milchprodukte im Jahresverlauf: Jogurt und Quark, Frischkäse und Bratkäse.

Unsere Form der ganzheitlichen Landwirtschaft ist einmalig in Deutschland. Wir wissen von keinem anderen Betrieb, der im Nationalpark melkt. (Mehr Infos zum Weidemelkstand).
Wenn du noch einen kennst, sag es uns gern. 🙂

Hof Stolze Kuh